Pistendienst damals

Vom Alpenverein zur selbständigen Ortsstelle Hohenems des Österreichischen Bergrettungsdienstes

Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen, und die Zukunft ( besser*…) gestalten.

(*sofern „er/man“ aus der Vergangenheit lernt…..) Paul Watzlawick

 

Bereits im Jahr 1875 konstituierte sich der Bezirk Hohenems des D. u. Ö. Alpenvereines, Sektion Vorarlberg. Von den elf Mitgliedern gehörten neun der Israelitischen Kultusgemeinde an. Auf Grund des Beschlusses des D. u. Ö. Alpenvereines aus dem Jahre 1902 wurde auch im Bezirk Hohenems eine Meldestelle für alpine Unfälle errichtet. Das genaue Datum der Errichtung und somit die genaue Gründerzeit der Rettungsstelle konnte aber bisher zeitlich nicht festgelegt und dokumentiert werden.

Aus der Niederschrift der Sektion Vorarlberg des D. u. Ö. Alpenvereines vom 6. April 1929 steht unter Punkt „Rettungswesen“ zu lesen:…“In allen Orten, in denen heute noch die Rettungsstellen in den Händen der Gendarmerie sind, sollen daher heute schon Nachfolger bestimmt werden, denen im Falle einer Zurücklegung durch die Gendarmerie sofort die Stellen übertragen werden können. Diese Orte sind im besonderen Egg, Au, Dornbirn, Hohenems, Rankweil, Feldkirch, Nenzing, Brand, Gaschurn, Partennen, Dalaas; Klösterle wird im Falle eines Rücktrittes vollständig aufgelassen und kommt das Material dieser Stelle nach Stuben.“

Aus diesen Zeilen ist zu entnehmen, dass der D. u. Ö. AV wohl die Rettungsgeräte zur Verfügung stelle, diese aber durch die Gendarmerie verwahrt worden sind und sich zumindest die Meldestellen dort befanden. Seit dem Jahre 1930 hatte der Verein auf der Alpe Schuttannen während der Winterzeit in der Gemeindehütte – „Löwenzahnhütte“ genannt – seine Unterkunft und hatte darin auch eine seiner Rettungsstellen untergebracht, zu deren Leiter im Jahr 1937 August ABERER bestellt wurde, während die zweite Rettungsstelle auf der Fluhreck, durch das dortige Alpengasthaus betreut wurde.

Im Jahr 1932 erhob der Bezirk Hohenems erstmals die Forderung nach einer eigenen Bergwacht, denn bis dahin wurde das alpine Rettungswesen vom D. u. Ö. AV selbst getragen.

Die Alpenvereinsbergwacht Vorarlberg entsteht

Am 19. Mai 1940 fand auf Schloß Glopper in Hohenems, unter der Leitung des Sektionsobmannes Walter Flaig die Gründungsversammlung der Alpenvereinsbergwacht Vorarlberg statt, die aber noch im Gesamtverein des D. u. Ö. Alpenvereines geführt wurde. Unter den 42 Teilnehmern befanden sich die fünf Hohenemser Oskar Blecha, Josef Fenkart, Emil Willam, Nazy Meyer sen. und August Aberer, die noch bei dieser Versammlung angelobt worden sind. Josef Fenkart wurde dabei zum Obmann gewählt. Der Alpenvereinsbergwacht, der Vorgängerin des später gegründeten Österreichischen Bergrettungsdienstes – ÖBRD - oblagen nun die Aufgaben des heutigen Bergrettungsdienstes und die Agenden des Naturschutzes. Im selben Jahr traten noch Nazy Meyer jun., Roman Vollmer, Gottfried Huchler und Otto Wehinger der neu gegründeten Bergwacht bei. Noch im Mai wurden in der Bergwelt im Hohenems und Ebnit verschiedene Bergwachttafeln angebracht. Die Kameraden der Ortsstelle hielten nun regelmäßig ihre Heimabende in der Turnhalle hinter der Bühne ab. Gegen Kriegsende waren von der AV-Bergwacht aus Hohenems neun Kameraden im Kriegseinsatz und die Vereinstätigkeit musste infolge der Kriegsereignisse offiziell eingestellt werden. Nachdem 1941 auch noch Josef Fenkart einrücken musste, wurde August Aberer Obmann der noch jungen Ortsstelle. Die offiziellen Heimabende in der Turnhalle durften nichtmehr abgehalten werden und so stellte August (Gust) Aberer kurzerhand seine Wohnstube zur Verfügung. Gust’s Vater, von Beruf Bäckermeister, spendierte den jungen idealisten jeweils einen Laib Brot und einen Krug Most und diese Jause allein war in der damaligen Zeit schon Anreiz genug, keinen der Heim- und Übungsabende auszulassen. Somit war es allein ein Verdienst von August Aberer, dass trotz des Vereinsverbotes und Kriegswirren, in Hohenems durchgehend, wenn auch inoffiziell, ein alpiner Rettungsdienst bestand und die Mitglieder stete Ausbildung hatten. Wenn damals die Möglichkeiten für diese kleine Gruppe Idealisten auch gering waren, so bewahrten sie sich doch die Freude für die Bergwelt und den Willen, anderen Leuten aus Bergnot zu helfen.

Nachdem der Alpenverein nicht mehr in der Lage war, in einem geteilten Österreich den alpinen Rettungsdienst aufrecht zu erhalten, wurde im Jahre 1947, bei der ersten Länderkonferenz beschlossen, ab sofort mit einer selbständigen und unabhängigen Organisation, dem „Österreichischen Bergrettungsdienst“, Kurzbezeichnung ÖBRD weiterzuarbeiten. Im Juni 1947 wurde in Bregenz der ÖBRD, Land Vorarlberg gegründet.

Gründung der selbständigen Ortsstelle Hohenems des ÖBRD

Im Jahr 1947 wurde die immer noch illegal bestehende Bergwacht zur Ortsstelle Hohenems des ÖBRD „umbenannt“ und der Verein statutarisch neu gegründet. Die neu gegründete Ortsstelle setzte sich je zur Hälfte aus nachstehenden Mitgliedern des Alpenvereines Bezirk Hohenems und des Touristenvereines der Naturfreunde zusammen:

Aberer August, Kadur Hans, Mathis Willi, Öhy Manfred, Rüdisser Gebhard, Sandholzer Erich vom AV und Brändle Reinhold, Egger Hermann, Huchler Gottfried, Keller Stephan, Lohs Heini und Wehinger Hans von den TVNF.

 

Speziell zu erwähnen ist, dass wir bis zum heutigen Tage ein Gründungsmitglied der Ortstelle Hohenems in unseren Reihen haben:

Heini Lohs - Bergrettungskamerad der Ersten Stunde! Er ist seit über 68 Jahren Mitglied bei der Emser Bergrettung!

Ihm gebührt unser aufrichtiger Dank und Anerkennung für seinen Verdienst um die Bergrettung Hohenems!

Ehrenvolle Berufungen auf Landesebene

Die Männer unserer Ortstelle Hohenems standen durch die durchgehenden Heimabend- und Übungstätigkeiten von Anbeginn an auf einem sehr hohen Leistungsstandard. Aus diesem Grunde wurden und werden die Kameraden unserer Ortsstelle auch immer wieder für wichtige Funktionen (Landesleiter, techn. Leiter, Leiter der Lawinenhundestaffel, Landesrettungsarzt, Ausbildner etc.) in die Landesleitung des ÖBRD berufen und erfüllten dort die an sie gestellten Aufgaben und Anforderungen zur vollsten Zufriedenheit, tragen und trugen viel zum guten Ansehen der Ortsstelle Hohenems bei.

Einsatztätigkeit und Entwicklung der Ortsstelle

In der Ortsstelle selbst hatten und haben sich die Mitglieder durch dauernde Einsätze zu bewähren, geschahen doch von 1932 bis heute in der Hohenemser Bergwelt und in unserem Einsatzgebiet über 50 Bergunfälle mit tödlichem Ausgang. Dazu kamen noch diverse Einsätze bei Naturereignissen wie die Lawinenkatastrophe im Großen Walsertal 1954, die Steinbruchkatastrophe in Hohenems 1943 und die Erdrutsche und Felsstürze im Oberklien 1970 und 71, um nur die Wichtigsten zu erwähnen.

Aber auch die ungezählten Schiunfälle in der „Hohenemser Schiregion“ und Bergunfälle mit Verletzten, bedürfen einer steten Bereitschaft und Einsatzfähigkeit. Diese Einsätze werden durch laufende Schulungen und eine stetig wachsende Zahl von Ortsstellenmitgliedern bewältigt. Zählte die Ortsstelle im Jahre 1960 noch 17 Mitglieder, so sind es derzeit über 50 Bergrettungsmänner bzw. Bergrettungsfrauen, die sich um das Wohl und die Sicherheit der vielen Bergwanderer, Kletterer, Paragleiter, Drachenflieger, Schitourengeher, Schneeschuhwanderer, Mountainbiker etc. bemühen.

Viele Jahre war die inzwischen leider abgebrannte „Löwenzahnhütte“ in Schuttannen Stützpunkt für all die Wintereinsätze und mit besonderer Freude wurde am 18. 5. 1969 die neue Unterkunft in der Wendelinshütte bezogen. Im selben Jahr wurde auch noch ein gebrauchtes Fahrzeug angekauft, womit die Ortsstelle erstmals über ein eigenes Einsatzfahrzeug verfügte. Aktuell ist das vierte und rettungstechnisch modernst ausgestattete Bergrettungsfahrzeug im Einsatz.

Die Heim- und Übungsabende fanden jahrzehntelang im ehemaligen Feuerwehrgerätehaus – jetzt Salomon-Sulzer-Saal – statt. Es bestand stets ein sehr gutes und kameradschaftliches Verhältnis mit den Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Hohenems, trotzdem erfüllte es alle Ortsstellenmitglieder mit Stolz und Freude, als die/unsere neue Unterkunft im ehemaligen Versorgungsheim in der Bahnhofstraße/K. Elisabeth Straße fertiggestellt war und im Dezember 1993 bezogen werden konnte. Der umsichtige Planung und dem Weitblick der damaligen Führungscrew ist es zu verdanken, dass wir auch nach über 20 Jahren intensiver Nutzung, über eine Top-Heimstätte verfügen können, welche die stets steigenden Anforderungen weiterhin erfüllen kann und wird.

Die Ortsstellenleiter der Ortsstelle Hohenems

Die positive Entwicklung unserer Ortsstelle und das Erfüllen der stetig wachsenden Anforderungen und Standards im rettungstechnischen und medizinischen Bereich ist vielfach auf die Geschicke, Vorausschau und dem Verantwortungsbewusstsein der jeweiligen Ortsstellenleiter zurückzuführen. Sie haben ohne viel Aufhebens, aber mit viel persönlichem Einsatz und Engagement das Vereinsgeschehen geleitet.

 

August Aberer

1937 - 1953

Leiter der alpinen Rettungsstelle von 1937 – 1953. Er führte diese auch dann noch, als die Vereinstätigkeit unmittelbar nach dem Krieg für einige Zeit untersagt worden ist. Wegen seiner Tätigkeit als technischer Leiter in der Landesleitung, gab er die Funktion als Leiter der Ortsstelle auf.

 

Erich Mathis

1953 - 1954

führte die Ortsstelle bis zur nächsten Jahreszusammenkunft 1954

 

Hermann Egger

1954 - 1955

 

Hans Wehinger

1955 - 1962

 

Hans Reis

1962 - 1982

Ehren-Ortsstellenleiter

 

Werner Waibel

1982 - 1988

 

Anton Märk

1988 - 1994

 

Werner Fussenegger

1994 - 2000

 

Wolfgang Gächter

2000 - 2011

 

Herbert Linder

2011 - 2017

 

Karl-Heinz Fenkart

seit 2017

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